KULTUR ls ich anfing in dem Beruf, lieber Herbert, gab es eine ganze Reihe von Jungs um mich rum, die alle so werden wollten, wie Du. Herbert: Wirklich? Klar, die Lässigkeit, auch beim Spielen, der durch- trainierte Körper, die weißen Turnschuhe, das offene Hemd... Herbert: Ich habe nie darüber nachgedacht, ich habe mich so einfach wohl gefühlt. Worauf ich hinaus will: Daran hat sich all die Jahre nie was geändert. Wir sind 30 Jahre älter. Und Du trägst immer noch weiße Turnschuhe. Herbert: Findest Du, dass mir das nicht mehr steht? Das wäre schade, weil ich mich so immer noch unverändert wohlfühle. Finde ich auch, aber es ist erstaunlich. Nora: Ich darf mich mal einmischen. Muss das sein? Nora: Ja. Ich habe ja gleichzeitig mit Dir an- gefangen, Robby, und als wir das erste Mal zusammen auf Kos in einem Robinson-Club gedreht haben, bist Du angekommen und sofort mit Klamotten in den Pool gesprungen. Was tut das zur Sache? Nora: Herbert würde so etwas noch heute tun, und deshalb liebe ich ihn. Mit weißen Turnschuhen. Dann hätte ich damals Chancen bei Dir gehabt? Herbert: Muss das sein? Nora: Du bist gleichalt. Also zu jung. Herbert: Es gab mal einen Filmproduzenten, der mir eine riesige Rolle angeboten hat, wenn ich bereit gewesen wäre, meine Frisur und mein outfit komplett zu ändern. Ich habe abgelehnt. Warum? Herbert: Das, was ich da gespielt hätte, hätte ich sicher gut machen können. Aber viele andere auch. Das was ich biete, kann ich halt besonders, glaube ich. Und ich habe bisher keinen Grund, eine Marke, die ja offensicht- lich kein Auslaufmodell ist, zu ändern. Das macht das Alter schon automatisch. Wie? Herbert: Man wird gleichmütiger. Gleichmut. Gilt das auch für Dich, Nora? Nora: Ich finde Gleichmut wichtig, aber nicht Gleichgültigkeit. Ich bin schon engagiert, wenn es um die Sache geht, dabei kann ich sicher auch heftiger werden, als es so mancher mag. Herbert: Das finde ich eine Qualität des Älterwerdens, man hat nicht mehr so sehr das Gefühl, überall beliebt sein zu müssen. Wie funktioniert das System Collande/Herrmann? Nora: Wir haben irgendwann beschlossen, nicht darauf zu warten, bis Produzenten einem ein Stück anbieten, was man dann verändern, auf uns umschreiben muss und dann weiter anbieten kann. Wir haben uns darauf spezialisiert, selber Stücke für uns zu suchen, und diese dann für den deutschen Markt und uns zu adaptieren und das Ergebnis dann den Theatern anzubieten, in denen wir das richtig platziert finden. Herbert: Und hier ist es meist der französische Theatermarkt in dem wir fündig werden. Die Atmosphäre inspiriert uns, Paris ist eine Fundgrube. Wie wär es mal mit einem deutschen Autor, den Ihr beauftragen könntet. Nora: Haben wir doch. Herbert: Dich? Pläne? Herbert: Wir bringen im nächsten Frühjahr im Theater im Rathaus ein neues Stück heraus mit dem Titel: ALLES, WAS SIE WoLLEN. Und dann das Stück von Dir. Hast du schon einen Titel? Weiße Turnschuhe. Danke für das Gespräch.< Looxx* N°II_2018 A z w ö l f - 9 > HERBERT HERRMANN machte ursprünglich eine Lehre als Schriftsetzer und Grafiker, bevor er sein Studium an der Schauspielschule Zürich aufnahm. Vielleicht war es diese erste Ausbildung in der „Schwarzen Kunst“, die seinen Hang zur Perfektion und Präzision förderte und ihn innerhalb weniger Jahre zu einem der beliebtesten und erfolgreichsten Schauspieler werden ließ. Seit fast 40 Jahren ist er mit enormem Engagement und großer Freude regelmäßiger Gast an den Woelffer-Bühnen. Zuletzt war er 2015 gemeinsam mit Nora von Collande in dem Zwei-Personen-Stück „Anderthalb Stunden zu spät“ in Berlin zu sehen. „Ich fühle mich in weißen Turnschuhen unverändert wohl.“ Herbert Herrmann_Schauspieler > NORA VON COLLANDE ist in Berlin geboren und stammt aus einer Theaterfamilie. Mit 17 wurde sie, während ihrer Schauspielausbildung, für die Titelrolle des Films „Maria Morzeck“ entdeckt. Ein besonders prägender Moment ihres Lebens war, als Jürgen Wölffer sie vor knapp 25 Jahren nach Berlin an die Komödie am Kurfürstendamm holte. 1992 stand sie zum ersten Mal mit Herbert Herrmann in „Das verlängerte Wochenende“ auf der Bühne und 2001 erschien ihr Roman „Turbolenzo“ im Ullstein Verlag. 2009 wurde sie zur besten Schauspielerin in NRW nominiert. 18_2_128-129 Robby+Herbert Herrmann+Nora von Collande_1 16.07.18 09:06 Seite 2